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Teilnehmer: Kerstin Menge - Anfänger Herbert Müglich - Fortgeschrittener Beate Deniz - Ranchbesitzer Mustafa Deniz - Ranchbesitzer Nida Sahin - Fortgeschrittener Ayse Sahin - Begleiter Efe Deniz + Dilara Sahin - Kind Begleiter
Pferde: Acil, Yildiz, Dadas, Psikopat
1.Tag:
Wie verabredet war unser Pferdetransporter ungewöhnlich pünktlich um 7.00 Uhr auf der West-Virginia-City Ranch.Die Pferde wurden ohne Zwischenfälle sofort verladen und zu unserem Aufbruchsort Siirt Köy 45 km von uns entfernt im Gebirge gefahren. Die Reiter fuhren bepackt bis in die letzte Ecke mit dem Auto hinterher. Da viel zu viel Gepäck geladen wurde musste noch ein zweites Auto organisiert werden, welches noch das Pferdefutter transportierte. Im Dorf war sofort grosser Auflauf der Bewohner, denn sooft sehen sie nicht Touristen die mit Pferden sich auf ihren alten Gebirgspfad begeben. Da aber zur gleichen Zeit eine Beerdigung stattfand auf dem Friedhof, wollten wir nicht weiter stören und begaben uns fast lautlos auf den Weg. Unser erster Stop sollte an einem kleinen Flusslauf sein in dem wir ein Abkühlungsbad nahmen. Leider war wegen der Trockenheit der vorherigen Monate wenig Wasser drinn. Es reichte aber dennoch um zu schwimmen. Weiter gings dann auf historischen Pfaden zur ersten Station. Der alten Kervansaray(Karavanenstation) Tolhan. Die Ruinen liessen erahnen wie bequem und gastfreundlich die Händler von damals aufgenommen wurden. Wir schlugen unser Lager am glassklarem Fluss auf, duschten und kühlten unseren Pferden die Füsse. Sie waren ebenfalls begeistert über die Abkühlung, sodas sie plätschernt mit den Vorderhufen ewig im Fluss verweilten.
Kerstin die als Anfängerin den Tölter Acil ritt,war ganz erstaunt das ihr gar nichts weh tat. Sie hatte sich drauf eingestellt das sie wohl schon nach dem ersten Tag schlapp machen würde. Aber es fehlte ihr nichts und sie fühlte sich sehr wohl. Herbert der den Psikopaten ritt, grinste über beide Wangen, weil er die Bequemlichkeit eines Töltrennpferdes kennenlernte. Sein Pferd lief wie ein Uhrwerk ohne zu treiben im konstanten Tempo zäh den Berg hoch. Beate freute sich über das junge Pferd Dadas, welches mit seinen 3,5 Jahren brav den anderen Pferden folgte. Mustafa fand entlich Ruhe vom Alltagsstress der Ranch in dem er auf Yildiz, ebenfalls einem Rahvan, singend und albernt daher ritt.
So saßen wir alle glücklich am Lagerfeuer und genossen das Gegrillte was Ayse uns servierte.Kurz darauf fielen wir in unsere Träume.
2.Tag:
Nach einem genüsslichem Frühstück, begann der schwere Aufstieg bis zu einer Höhe von 1800m. Als wir den Berg vor uns sahen, dachten wir alle oh Mann das wird wohl bis Abends kaum zu schaffen sein. Aber falsch, es wurde zusehends kühler und immer öfter trafen wir auf Wasserquellen. Der Blick in die unglaublich schönen Täler und manchmal Sicht bis zum Meer, lenkten uns ab.Schon nach 2 Stunden waren wir ganz oben angekommen und wurden dort von den Ziegenhirten freundlich begrüsst, die dort den Sommer verbrachten. Sie luden uns zu einem Imbiss und Tee ein, was wir dankend annahmen. Brauchten unsere Pferde doch schliesslich eine Pause. Kerstin die mit ihren blonden Haaren eine Attraktion war, wurde herzlich in die Arme von den Bäuerinnen genommen um Fotos zu schiessen. Danach machten sie sich emsig daran uns leckere Sachen zu servieren. Es gab super leckeren Ziegenkäse, Tomaten, Oliven und selbstgebackenes Fladenbrot. Dazu aus dem Gebirge gesammlten Kräutertee. Ausgeruht und gestärkt gings dann weiter auf dem Plateau in Richtung Enifyayla. Ab und zu hatten wir neugiere Gucker auf dem Weg wie zum Beispiel freilaufende Kühe oder Mulis. Von denen aber unsere Pferde keine Notiz nahmen. Erst als das erste Wildpferd erschien wurde Acil krippelig. Das hatte er noch nicht erlebt, Pferde die einfach so rumliefen. Wir nahmen ihn zusammen mit der nun ängstlichen Kerstin in die Mitte und zogen weiter. Bis zu unserem geplanten Lager waren es nur 2,5 Stunden durch die Wälder immer auf der Spur der alten Karavanen. Im Lager war unser Begleitfahrzeug mit Nida und Ayse schon dabei es uns gemütlich herzurichten. Wärend Beate und Kerstin sich erholten, ritten Herbert und Mustafa noch in das Tal der Wildpferde um zu erkundschaften wo sich die Herden befanden. Sie hatten Glück und fanden gleich in der Nähe eine Herde von ca.30 Tieren.Herbert war sehr aufgeregt und näherte sich nur langsam der Herde. Diese wurde vom Leithengst sofort zusammen getrieben und zog weiter. Die beiden Männer wollten sie nicht weiter beunruhigen und kamen mit strahlenden Gesichtern zurück. Kerstin und die Kinder fanden eine Herde gleich in der Nähe des Badeplatzes und berichteten über die schönen Tiere. Aufgeregt, was wohl am nächsten Tag passieren würde, diskutierten wir am Lagerfeuer noch lange bis uns vor Müdigkeit die Augen zufielen.Da das Tal von Millionen von Heuschrecken besiedelt war zogen wir es vor im geschützten Zelt zu übernachten.
3.Tag:
Wir machten uns mit kribbelndem Magen auf, durch das Tal zu Reiten um dort ausgiebig mit den Herden von Rindern,Ziegen und Wildpferden zu kontaktieren.Wie würden sich wohl unsere Hengste verhalten? Der Adrenalienspiegel in uns stieg immer höher. Kerstin die nicht der Hasenfuss sein wollte,nahm all ihren Mut zusammen und ritt Acil, obwohl der am aufgeregtesten war. Er tänzelte mit seinen Passgängen immer 2 Füsse links 2 Füsse rechts unkontrolliert aber dennoch nicht unhaltbar zwischen uns her. Die anderen Pferde waren ruhig und gelassen, was sehr erstaunlich war. Lag wahrscheinlich daran das sie sichere Reiter hatten. Wir erreichten die nächste Karavanen Ruine Enifhan. Machten dort ein paar Fotos und galoppierten zu einer grossen gemischten Herde von Rindern und Pferden. Mustafa versuchte sein Glück und schwang das lasso um ein Pferd zu fangen. Er hatte viel Spass und wollte kein Ende finden. Herbert und Beate ritten im Kreis um die Herde drumherum und Kerstin machte sich so gut sie konnte aus dem Staub, da sie Angst hatte runterzufallen. Aber sie hielt tapfer durch. Und für einen Anfänger absolvierte sie einer der schwierigsten Übungen. Durch die Weite des Tales galoppierten wir auf endlosen Ebenen Grasflächen bis zum Dorf Baslar. Dort wurden wir von den Kindern empfangen die aufgeregt neben unseren Pferden bis zum Teehaus uns begleiteten.Mit den freundlichen Dorfbewohnern tranken wir dann einen Tee. Einer der Bauern lud uns dann zu seinem Camp ein, wo wir sein eingefangenes Wildpferd bestaunen sollten. Was wir dort vorfanden war eher entsetzlich als bewundernswert. Von dem Pferd, was früher einmal ganz sicher schön war, waren nur noch die Knochen zu sehen. Uns zog sich der Magen zusammen. Doch erinnerten wir uns, das wir uns in einem anderen Land mit anderer Mentalität befanden. Hier zählt das Pferd nur als Arbeitskraft und wird nicht so gepflegt wie wir es gewohnt waren. Wir zeigten uns trotz knirschender Zähne dennoch freundlich und hielten uns nicht lange dort auf. Auf dem Rückweg kämpften wir gegen die starke Mittagssonne und dem beginnenden starken Wind der uns völlig austrocknete. Gegen 16 Uhr waren wir müde von den Eindrücken im Lager angekommen. Wir tauchten dort unsere Köpfe in eine der kühlen Quellen und machten ein Nickerchen im Schatten der Bäume. Am Abend kurz vor Sonnenuntergang gingen Beate und Mustafa nochmal auf Jagd nach Abenteuer. Beate wollte Acil nochmal testen wie er sich mit einem guten Reiter im Sattel benehmen würde. Sie hatte reichlich Spass dabei. So mussten sich die Cowboys in Amerika fühlen, dachte sie so. Sie und Mustafa verfolgten lange noch die Herden, machten vor lauter Übermut ein Töltrennen. Bei dem Acil locker gegen Yildiz gewann. Den atemberaubenden Sonnenuntergang bestaunten sie von einem Hügel aus, der die ganze Ebene unter sich hatte. Hand in Hand und glücklich über diese Erlebnisse fernab vom täglichen Arbeitsstress, welcher kaum private Momente zulässt, tölteten sie langsam zum Lager zurück.Nach dem Abendessen bei einem guten Glass Whisky diskutierten wir, was wohl passieren würde wenn man einen unserer Hengste in die Freiheit entlassen würde.Die Meinungen waren verschieden. Aber in einem Punkt waren wir uns einig. Wir würden es versuchen.
4.Tag:
Schon früh am Morgen brachen Herbert und Mustafa ins Tal auf. Sie ritt auf Yildiz und Mustafa auf dem braven Dadas. Die anderen beiden sollten sich etwas erholen. Aber Acil fand die Idee gar nicht so toll, denn er wäre viel lieber in Richtung Stuten gelaufen. So lief er im Lager immer aufgeregter hin und her. Kerstin und Beate sahen sich in die Augen und wussten ohne Worte, das sie es tun würden. Sie liessen den Hengst in die Freiheit ziehen.Kerstin standen die Tränen in den Augen als er mit wehendem Haar wiehernt den Herden entgegen galoppierte. Beate hatte eher gemischte Gefühle, war es doch einer ihrer besten Hengste. Und was würde passieren? Die beiden Frauen rassten mit Nida im Auto bewaffnet mit Kameras dem Hengst hinterher. Wir sahen vom weitem wie Acil versuchte sich eine kleine Stutenherde zu erobern. Er jagdte sie hin und her, verfolgt von dem Wildhengst der natürlich seine Position nicht aufgegeben wollte. Acil der eine super starke Kondition hatte und viel grösser war als der Wildhengst, gewann soweit wir erkennen konnten immer mehr Macht. Wir dachten uns, das war es wohl, den sehen wir nie wieder. Nun kamen, aufmerksam geworden durch das über Stock und Stein sausende Auto, auch Mustafa und Herbert daher geritten. Aufgeregt erzählten wir was passiert war. Beate die sich schon auf Mustafas Flüche vorbereitet hatte, war überrascht das dieser ganz locker blieb. Er meinte das wir Acil gegen Abend versuchen würden einzufangen. Da Beate wusste das Mustafa bisher jedes Pferd eingefangen hatte, welches sich losgerissen hatte, war auch sie beruhigt.Kerstin liefen die Tränen und war beeindruckt von der Schönheit und dem Temperament das ihr Reitpferd nun zeigte.Herbert war ausser Atem geraten, weil er im schnellem Renntölt Mustafa über die Prärie folgen musste. Wir beschlossen die Zeit bis zum Abend mit einem Ausflug zur Höhle mit dem Auto zu überbrücken. Aber jeder von uns war im Gedanken bei Acil.Auf dem Weg zur Höhle mussten wir durch das ganze Tal fahren. Wir hatten unsere Augen links und rechts um einen Blick zu erhaschen, und den Hengst zu finden. Weit vom Lager entfernt sahen wir einen dunklen Punkt mitten auf dem Weg vor uns. Beate erkannte sofort Acil, der ganz alleine traurig und müde dort stand. Sie sprang aus dem Auto und rief seinen Namen. Er stellte die Ohren hoch, wieherte und kam auf sie zu galoppiert. Er war glücklich wie ein kleines Kind, was seine Mama verloren hatte, und nun wieder nach Hause fand. Uns Allen stand ein dicker Kloss im Hals.Hatte er doch die Freiheit freiwillig eingetauscht, gegen ein Leben zwischen den Menschen. Keiner von uns hatte das erwartet. Das er das, wo wir dachten das es ein Pferdeherz glücklich macht, alles stehn lies.Nun es dauerte auch garnicht lange und wir verstanden den Grund. Der kleine Wildhengst hatte anscheinend das Duell gewonnen. Acil war von Plessuren nur so übersäät. Nur oberflächliche Wunden und nicht weiter schlimm, aber weil er nun absolut nicht der Streithengst war,hatte er sich ergeben. Der Wildhengst begleitete uns im Abstand um sicher zu gehen, das Acil in Sicherheitsverwahrung kommt. Erst dann trieb er seine Stuten zusammen und zog mit wachsamen Augen davon. Wir brachten Acil zum Lager zurück, wo er lächelnd von Mustafa in Empfang genommen wurde. Mustafa versorgte seine Kratzer mit Desinfektionspray und liess ihn im kalten Wasser wieder zu Kräften kommen.Unseren geplanten Ausflug zur Höhle liessen wir saussen, denn an dem Tag konnte uns nichts mehr beeindrucken. Erst am späten Nachmittag brachen wir unsere Zelte ab und machten uns auf den Rückweg. Kerstin verzichtete immer noch benommen von den Erlebnissen aufs Reiten und Mustafa nahm Acil als Handpferd nebendran.
Es ging wieder über die Hochebene, vorbei an den Ziegenhirten, wo wir nur schwer die Einladung zu übernachten ablehnten und weiterzogen nun immer bergab Richtung Tolhan. Unsere Pferde waren sichtlich müde geworden, von den reitern ganz zu schweigen. Beate konnte kaum noch die Knie spüren und tauschte mit Mustafa das Pferd.So das sie nun auf Yildiz, der bequeme Töltgänge hatte, weiterritt. Im Lager am Fluss angekommen, stellten wir unsere Pferde sofort in den Fluss, worüber sie sehr dankbar waren. Der Wind der nun immer stärker wurde trocknete uns förmlich aus und nahm uns die Kräfte.Wir nahmen ebenfalls noch alle ein Bad in einem von der Natur geschaffenen Pool. Stärkten uns beim Dinner und gingen früh am Abend in unsere Zelte. Mustafa und Nida versuchten in der Nacht nochmal ihr Glück bei der Hasenjagd und fanden statt Hasen eine verletzte Ziege.
5.Tag
Noch in der Dunkelheit holten die beiden Jäger die Ziege zum lager und beratschlagten ob sie sie schlachten sollten oder den Besitzer finden sollten. Sie beschlossen den Besitzer zu finden. Sie bepackten das Auto und fuhren damit schon zum Siirt Köy und wollten dann mit dem leeren Auto zurückzukehren um im Kofferraum die Ziege zu transportieren. Der Besitzer wurde gefunden, der die Ziege dann an Nida verkaufte. Mustafa machte sich dann mit Herbert und Kerstin auf die letzte Etappe. Beate wollte wegen der schmerzenden Knien mit dem Auto zurück und somit konnte Acil noch geschont werden. Herbert machte Witze und fragte Beate ob sie zu Fuss die Strecke testen wolle. Lachend lehnte Beate das Angebot von Herbert hinter ihm Platz zu nehmen ab.Was ihr aber zum Verhängnis werden sollte. Nida der nun endlich mit Ziege und Hunden im Auto fluchend ankam, teilte mit das ein Reifen schon platt ist und der zweite in kürze auch platzt. Wütend überlegte Beate was nun zu tun ist. Was wenn Mustafa mit dem Pferdetransporter mitfährt und nicht wartet, dann dauert es eine weitere Nacht bis jemand zu Hilfe kommt. Zelt und Gepäck waren aber schon weg. Bis zum Dorf waren es 7km. Nun, die laufen wir manchmal auf der Ranch auch, dachte sie sich und beschloss loszulaufen um Hilfe zu holen. Efe wollte natürlich mit und damit wir nicht alleine sind schickte Nida Ayse und Dilara auch hinterher. Er selbst blieb beim Auto und seiner Ziege. Ich rief noch wütend zurück, das ihm die Ziege ganz gewiss im Hals stecken bleibt. Die Strecke war nicht sehr weit, aber der Wind und die Sonne forderten alle Kräfte die wir hatten. Ayse und Dilara warfen sich auf halber Strecke in den Schatten und wollten nicht weiter. Beate und Efe kämpften sich bis zum Dorf von Baum zu Baum weiter. 100m vor dem Dorf kam Mustafa mit dem anderen Auto den Beiden entgegengefahren. Beate bekam vor Wut kein Wort raus und zog weiter. Efe erklärte wo Ayse und Dilara abgeblieben waren. Dort erfuhr er was mit dem Auto war. Beate wurde im Dorf von Kerstin in Empfang genommen und ausreichend mit Wasser versorgt. Erst nach 1 Stunde ruhen konnte Beate erzählen und auch noch drüber lachen. Nun wissen wir auch, wie es ist wenn man die Strecke wandert. Um diese Jahreszeit jedenfalls nicht zu empfehlen. Im Siirt Köy wurden wir dann, während sich die Männer um das Auto kümmerten liebevoll mit Essen verpflegt und fuhren dann wohlbehalten nach Hause zur Ranch.
Wir brauchten ein paar Tage um unsere Erlebnisse zu verarbeiten.Kerstin, die Mitten aus Berlin stammt, war stolz alles gut überstanden zu haben und beeindruckt von der Weite und Schönheit der Natur hat sie noch mehr Liebe zu diesem Land gefunden.
Herbert, der Pferdenarr, war begeistert von den Rahvanpferden und fassungslos über die Erlebnisse mit den Wildpferden. Welche er bei seinen zahlreichen Trails in anderen Ländern nicht erlebt hatte.
Beate, die sich schon seit Jahren darauf gefreut hatte, dieses Abenteuer in dem Tal zu erleben.
Mustafa, der überglücklich die Liebe zu seiner Frau wieder entdeckt hatte.
Wir Alle haben beschlossen im nächsten Jahr ein neues Abenteuer in einem anderen Yayla zu erleben! |